Alpha-Zerfall
Alpha-Zerfall ist der radioaktive Prozess, bei dem ein schwerer Kern ein Alphateilchen aussendet – einen eng verbundenen Cluster aus zwei Protonen und zwei Neutronen, identisch mit einem Helium-4-Kern. Der Mutterkern verliert zwei Ladungseinheiten und vier Massenzahleinheiten und verwandelt sich in ein anderes Element. Ein klassisches Beispiel ist der Zerfall von Uran-238 zu Thorium-234.
Tunneln durch die Coulomb-Barriere
Im Inneren des Kerns bindet die starke Kernkraft das Alphateilchen, außerhalb davon wird das positiv geladene Alphateilchen von den verbleibenden Protonen abgestoßen. Zusammen ergeben diese ein Potenzial Barriere: eine Energiewand, die höher ist als die eigene Energie des Alphateilchens. Klassischerweise könnte das Teilchen niemals entkommen. Die Quantenmechanik ermöglicht es Tunnel mit einer kleinen Wahrscheinlichkeit ungleich Null durch die Barriere. George Gamows Tunnelmodell von 1928 war einer der ersten Triumphe der Quantentheorie und erklärte, warum Halbwertszeiten von Mikrosekunden bis zu Milliarden von Jahren reichen.
Das Modell berücksichtigt auch Geiger-Nuttall-Gesetz, die steile Beziehung zwischen der Halbwertszeit eines Isotops und der Energie des emittierten Alpha. Eine kleine Erhöhung der Alpha-Energie verdünnt die Barriere und verkürzt die Halbwertszeit dramatisch – um viele Größenordnungen.
Über einfaches Tunneln hinaus
Beim einfachen Tunneln wird das Alphateilchen so behandelt, als ob es bereits vollständig ausgebildet im Kern vorhanden wäre. Echte Kerne sind subtiler. Moderne Beschreibungen fügen ein hinzu Präformationsfaktor – die Wahrscheinlichkeit, dass sich tatsächlich vier Nukleonen zu einem Alpha zusammenballen, bevor es zum Tunneln kommen kann. Sie berücksichtigen auch die Kerndeformation, die Schalenstruktur und den Drehimpuls, die alle die Zerfallsraten von der einfachen Gamow-Schätzung abweichen. Diese Verfeinerungen erklären, warum manche Kerne schneller oder langsamer zerfallen, als der Tunneleffekt allein vorhersagen würde, und sie verbinden den Alpha-Zerfall mit der umfassenderen Physik der Kernhaufenbildung.
Ein häufiges Missverständnis
Das Alphateilchen gewinnt keine Energie, um die Barriere zu „überklettern“. Seine Gesamtenergie bleibt die ganze Zeit über unter der Obergrenze der Barriere; Tunneln ist eine echte Quantenpassage durch ein klassisch verbotenes Gebiet, kein Thermalsprung darüber. Aus diesem Grund sind die Alpha-Zerfallsraten im Wesentlichen unabhängig von Temperatur und Druck.
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Referenzen und weiterführende Literatur
- Griffiths, D. J. & Schroeter, D. F. Einführung in die Quantenmechanik, 3. Aufl. Cambridge University Press, 2018.
- Sakurai, J. J. & Napolitano, J. Moderne Quantenmechanik, 3. Aufl. Cambridge University Press, 2020.